Automatische Fahrgastzählsysteme - Eine Übersicht

23. April 2019

Automatische Fahrgastzählsysteme (AFZS) sind Systeme zur automatischen Erfassung der Anzahl von Personen in Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Dieser Artikel soll eine Übersicht darüber geben welche unterschiedlichen Arten von automatischen Fahrgastzählsystemen existieren. Dabei werden die Stärken und Schwächen der einzelnen Ansätze untersucht.

Historische Entwicklung und Bedarf

Zu einer bedarfsgerechten Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs bedarf es einer gründlichen Analyse der Verkehrsströme. Um diese zu gewährleisten ist es gängige Praxis in gewissen Intervallen Fahrgastbefragungen durchzuführen.

Typische Fragestellungen die in diesem Zusammenhang gelöst werden sollen:

  • Anzahl der Personen im Fahrzeug (Auslastung)
  • Fluktuation an jeder Haltestelle
  • Tickettyp
  • Zustiegs-, und Ausstiegspunkt
  • Alter der Fahrgäste
  • Beruf
  • Geschlecht
  • Nutzung weiterer Fortbewegungsmittel

Da solche Befragungen flächendeckend und über einen längeren Zeitraum ausgeführt werden müssen um Schlussfolgerungen ziehen zu können, gehen diese häufig mit einem großen finanziellen Aufwand einher. 

Erschwerend kommt hinzu, dass selbst bei hoher Befragungsdichte einzelne Aspekte die nicht dauerhaft oder örtlich begrenzt auftreten nicht erfasst werden können.

Um diesen Problemen beizukommen gibt es die Bestrebung möglichst viele der oben genannten Fragestellungen automatisch und kontinuierlich zu erfassen.

Dabei haben sich über die Zeit verschiedene Ansätze entwickelt die unterschiedliche Stärken und Schwächen besitzen.

Mit Lichtschranken an den Türen

Eine relativ simple Möglichkeit die Anzahl an Personen im Fahrzeug zu messen besteht darin eine Lichtschranke in jeder Tür zu installieren. Je nach Abweichung vom ungestörten Zustand erkennt das System ob eine Person den Bus betreten oder verlassen hat. Mithilfe der Fluktuation pro Haltestelle kann die Gesamtzahl der Fahrgäste während einer Fahrt gemessen werden.

Bei solchen Systemen besteht die Schwäche darin, dass gleichzeitiges Zu-, und Aussteigen mehrer Personen häufig nicht korrekt erkannt wird. Ebenso sind Fahrräder oder Kinderwägen ein Problem. Hinzu kommen die zusätzlichen Kosten für die Sensorik.

Nicht zu vernachlässigen ist, dass jeder falsch erkannter Ein-, und Ausstieg sich negativ auf die Genauigkeit der Gesamtanzahl an Personen auswirkt. Über die Dauer einer Fahrt kann der Fehler stetig zu nehmen.

Mit Drucksensoren in den Sitzen

Eine alternative Möglichkeit zur Messung der Auslastung funktioniert mit Drucksensoren in den Sitzen. Ist ein Sitzplatz belegt sendet der darin befindliche Sensor ein Signal an das zugehörige Steuergerät.

Nachteil an dieser Methode ist, dass nur die Auslastung der Sitze betrachtet wird. Besonders in Stoßzeiten, steht jedoch häufig ein Großteil der Fahrgäste. Desweiteren sind die Kosten eines solchen Systems relativ hoch da jeder Sitz mit einem Sensor ausgestattet werden muss.

Mit Kameras

Der Vorteil von Kameras ist, dass diese dem menschliche Auge ähnlich sind. Deshalb können Kamerasysteme auch einen deutlich größerern Funktionsumfang abdecken. 

Der Nachteil von Kameras liegt darin, dass manche Fahrgäste sich unwohl fühlen gefilmt zu werden. Dabei hilft es häufig den Sinn und Umfang der Videoüberwachung möglichst genau zu erläutern.

Kamerasysteme können in den Türen zur Erfassung der Fluktuation sowie innerhalb des Fahrzeugs aus Sicherheitsgründen und Erfassung der Auslastung eingesetzt werden.

Mit Kamerasystemen in Türen

Kamerasysteme in Türen sind meistens in der Mitte der Tür angebracht und filmen den Einstiegsbereich von oben. Mithilfe moderner Bildverarbeitungn wird erkannt ob eine Person das Fahrzeug betritt oder verlässt. Des Weiteren kann erkannt werden ob Fahrräder oder Kinderwägen mitgeführt werden.

Mit Überwachungskamerasystemen

Fahrgastzählung mit Sicherheitskameras

Überwachungskameras sind häufig aus Sicherheitsgründen in vielen Fahrzeugen des ÖPNV bereits installiert. Neben der Verwendung als Beweismaterial bei Straftaten können die Aufzeichnungen auch zur Auswertung der Auslastung von Fahrzeugen genutzt werden. Anders als bei Kamerasystemen in Türen wird die Anzahl der im Fahrzeug befindlichen Personen direkt aus den Kameradaten gewonnen. Dies hat den Vorteil, dass sich Messfehler während der Fahrt nicht aufsummieren. Zusätzlich zur Erkennung von Fahrrädern und Kinderwägen ergibt sich auch die Möglichkeit das Geschlecht, das Alter und die Berufsgruppe der Fahrgäste anhand des Aussehens zu schätzen.

Übersicht

Die untenstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die Stärken und Schwächen des jeweiligen Systems.

System\KriteriumFluktuation je HaltestelleAuslastungErfassung weiterer Merkmale
(Alter, Geschlecht, Beruf)
Verwendung als Beweismittel
Lichtschranken in Türen++--
Drucksensoren in Sitzen-+--
Kamerasysteme in Türen++++-
Überwachungskamerasysteme+++++++

Die Tabelle listet in der ersten Spalte das System zur Fahrgastzählung und bewertet diese anhand der Kriterien Fluktuation je Haltestelle, Auslastung, Erfassung weiterer Merkmale und Verwendung als Beweismittel. Die Abstufung wird mit ++, + und - kodiert.

Wie man sehen kann, liefern nur Überwachungskamerasysteme in allen Kriterien positive Ergebnisse. Deshalb konzentrieren wir uns auf diese Systeme.

Zu guter Letzt ist es auch erwähnenswert, dass Kombination von Systemen dazu verwendet werden können um sich zu ergänzen oder um die Robustheit der Messung zu erhöhen damit einhergehen höhere Kosten.

Disclaimer: Bei den Bewertungen handelt es sich um die subjektive Meinung des Autors. Die Resultate können von System zu System unterschiedlich sein und sind gegebenenfalls abhängig von weiteren Faktoren. Im Zweifel ist eine Einzelfallprüfung notwendig.

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