Auslastung und Sitzplatzverfügbarkeit: Was Verkehrsbetriebe wirklich wissen müssen
Fahrgastzahlen verraten Verkehrsbetrieben zwar, wie viele Menschen an Bord sind, aber nicht, wo noch Kapazitäten frei sind oder um welche Art von Platz es sich handelt. Wir zeigen, wie die Analyse der Auslastung auf Sitzplatz- und Mehrzweckflächenebene diese fehlenden Daten liefert.
Veröffentlicht
September 15, 2026
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Fahrgastzahlen allein sagen Betreibern, wie viele Personen an Bord sind, aber nicht, wo die verbleibende Kapazität liegt oder welcher Art sie ist. Diese Lücke ist sowohl betrieblich relevant (Fahrzeuggewicht, Beschleunigung und Verspätungsrisiko) als auch für Fahrgäste, die einen freien Sitzplatz suchen oder ihr Fahrrad im Mehrzweckbereich unterbringen möchten. Dieser Artikel erklärt, was Auslastungs- und Sitzplatzverfügbarkeitserkennung im Fahrzeug tatsächlich bedeuten, warum Mehrzweckbereiche, die von Fahrrädern, Kinderwagen und Rollstühlen gemeinsam genutzt werden, eine besondere Herausforderung für die Erkennung darstellen. Wie im „Ideenzug“ der Südostbayernbahn gezeigt, können bereits vorhandene Kameras diese Daten liefern, ohne neue Hardware zu benötigen. Außerdem betrachten wir, was Auslastungsanalysen für Betreiber und Fahrgäste ermöglicht und wie dies erreicht wird, ohne die Privatsphäre der Fahrgäste zu beeinträchtigen.
Warum ist die Auslastung wichtig?
Die Fahrzeugauslastung hat für Verkehrsbetriebe mehr Auswirkungen als nur den Fahrgastkomfort. Sie beeinflusst auch das Fahrzeuggewicht und damit Beschleunigung und Geschwindigkeit. Ein schwererer, vollerer Zug bremst und beschleunigt anders, und die Wahrscheinlichkeit von Verspätungen steigt, je weiter die tatsächliche Auslastung von der geplanten Kapazität abweicht.
Für Fahrgäste ist das Problem jedoch offensichtlicher: Die Information, dass ein Zug zu „80 % ausgelastet“ ist, verrät nicht, in welchem Wagen noch ein Sitzplatz frei ist, ob das Fahrrad noch in den Mehrzweckbereich passt oder ob ein Rollstuhlfahrer an dieser Tür genügend Platz zum Wenden hat.
Wenn Sie erfahren möchten, wie Verkehrsbetriebe Überfüllungen an Bahnhöfen und Bahnsteigen bewältigen, behandeln wir das in diesem Artikel.

Das Paradoxon der Auslastung im öffentlichen Nahverkehr
Ein Fahrzeug kann laut Fahrgastzählung zu 60 % ausgelastet sein, obwohl in den ersten beiden Wagen kein Sitzplatz mehr frei ist und der dritte Wagen fast leer ist. Kennzahlen zur Fahrgastanzahl beantworten zwar die Frage, wie viele Menschen sich im Fahrzeug befinden, lassen aber offen, wo noch Kapazitäten vorhanden sind oder um welche Art von Kapazität es sich handelt. Mit einer Auslastungsanalysen können Verkehrsbetriebe diese Lücke schließen.
Was ist die Fahrzeugauslastungsanalyse?
Bei der Fahrzeugauslastungsanalyse werden Sensoren oder Kameras eingesetzt, um in Echtzeit zu ermitteln, wie voll ein Bus, eine U-Bahn oder ein Zug ist und wo sich die freien Kapazitäten befinden. Herkömmliche automatische Fahrgastzählsysteme (AFZS), die über den Türen angebracht sind, erfassen dies nur sehr grob: durch das Zählen der ein- und aussteigenden Personen.
Was ist eine Analyse der Sitzplatzverfügbarkeit?
Die Erkennung der Sitzplatzverfügbarkeit geht einen Schritt weiter und nutzt Video Analyse, um zu bestimmen, welche einzelnen Sitzplätze belegt und welche frei sind. Diese Daten können genutzt werden, um Fahrgäste gezielt zu einem bestimmten Wagen zu leiten oder Live-Sitzpläne anzuzeigen.
Im „Ideenzug“ der Südostbayernbahn demonstrierte Isarsoft die Echtzeit-Auslastung in einzelnen Zugwagen. Das DB Colibri-Team sagt dazu:
Vorhandene Kameras werden hierfür intelligent genutzt: Die Datenverarbeitung erfolgt direkt auf dem Colibri Edge Device und die Übertragung findet datenschutzkonform (privacy-compliant) ohne Cloud-Nutzung statt. Das Ergebnis: Echtzeit-Einblicke in die Sitzplatzverfügbarkeit, die Wagenauslastung und sogar in Mehrzweckbereiche (z. B. für Fahrräder oder Kinderwagen).
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Die Herausforderung bei der Auslastung von Mehrzweckbereichen
Multifunktionsbereiche sind die flexibelsten Zonen in Zügen, Straßenbahnen und Bussen, die sich Fahrräder, Kinderwagen und Rollstuhlfahrer teilen. Hier reicht es nicht aus zu wissen, wie viele Personen oder Objekte sich in der Zone befinden; das System muss unterscheiden, was sich dort befindet, da ein Fahrrad, ein Kinderwagen und ein Rollstuhl jeweils unterschiedliche Anforderungen an Platz und Barrierefreiheit stellen.
Hier steht auch am meisten auf dem Spiel. Ein Rollstuhlfahrer, der einen Multifunktionsbereich erreicht, der bereits mit Fahrrädern belegt ist, hat keine Ausweichmöglichkeit auf einen Sitzplatz, wie es ein stehender Fahrgast ohne Mobilitätseinschränkung hätte. Eine objektbasierte Erkennung – nicht nur eine reine Personenerkennung – ermöglicht es, dem Fahrgast (oder dem Personal am Bahnhof) vor dem Einsteigen eine verlässliche Auskunft über den verfügbaren barrierefreien Platz zu geben.
Vorteile der Belegungserkennung mit Video Analyse
Die praktische Hürde für die Belegungsüberwachung waren bisher die Kosten: dedizierte Sitzplatzsensoren oder objektspezifische Hardware pro Fahrzeug, die in einer gesamten Flotte nachgerüstet werden müssten. KI-Videoanalyse ändert diese Gleichung, indem sie die bereits vorhandenen Sicherheitskameras des Fahrzeugs als Sensoren nutzt.
Da die zugrunde liegende Kamerainfrastruktur aus Sicherheitsgründen oft bereits vorhanden ist, gleicht das Hinzufügen dieser Analyseschicht eher einer Softwareimplementierung als einer Hardware-Nachrüstung.
Für den Betreiber
- Echtzeitdaten für Fahrgastinformationssysteme:
Die Belegung von Sitzplätzen und Zonen kann in dieselben Anzeigen und Apps einfließen, die bereits für Ankunftszeiten genutzt werden. So können Fahrgäste einen Wagen oder eine Verbindung basierend auf der tatsächlichen, aktuellen Verfügbarkeit wählen, anstatt sich auf Durchschnittswerte zu verlassen. - Nachfrageorientierte Kapazitätsplanung:
Anstatt zusätzliche Fahrzeuge auf Basis geschätzter Durchschnittswerte für Stoßzeiten einzuplanen, können Planer die tatsächliche Auslastung von Sitzplätzen und Multifunktionsbereichen nach Strecke, Tageszeit und sogar Wochentag einsehen. - Bessere Reaktion auf Barrierefreiheitsanforderungen:
Wenn das Personal in Echtzeit weiß, dass ein Multifunktionsbereich belegt ist, kann es einen Rollstuhlfahrer bereits vor Erreichen eines blockierten Bereichs zum nächsten Fahrzeug oder Wagen umleiten, anstatt erst danach. - Datenbasis für Flotten- und Beschaffungsentscheidungen:
Auslastungsdaten speziell für Multifunktionsbereiche helfen Betreibern bei der Entscheidung, wie viele solcher Zonen eine bestimmte Strecke oder ein Fahrzeugtyp tatsächlich benötigt, anstatt ein festes Verhältnis auf die gesamte Flotte anzuwenden.
Für den Fahrgast
Für Fahrgäste bedeutet die Live-Auslastungsanzeige weniger Rätselraten. Eine Fahrgastinformation, die einen freien Sitzplatz zwei Wagen weiter anzeigt oder bestätigt, dass im Fahrradbereich noch Platz ist, macht das Absuchen des Bahnsteigs oder des Fahrzeugs überflüssig. Für Fahrgäste, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist die Auslastungsanzeige mehr als nur ein Komfortmerkmal; sie entscheidet darüber, ob sie entspannt einsteigen können oder nicht. In beiden Fällen profitieren die Fahrgäste von einer positiveren Erfahrung mit dem Verkehrsunternehmen, was die allgemeine Zufriedenheit steigert.
Auslastungsinformationen ohne Kompromisse beim Datenschutz
Die Bereitstellung eines solchen Detailgrads bis hin zu einzelnen Sitzplätzen und Objekttypen in Multifunktionsbereichen wirft natürlich Fragen zum Datenschutz auf. Isarsoft Perception ist von Grund auf so konzipiert, dass diese Fragen beantwortet werden: Die gesamte Erkennung erfolgt auf Basis anonymisierter, aggregierter Daten, ohne dass eine Identifizierung von Personen stattfindet. In Kombination mit der DSGVO-Konformität und der ISO 27001-Zertifizierung können Verkehrsbetriebe ihren Fahrgästen dieses Maß an Transparenz bieten, ohne deren Privatsphäre zu gefährden. Erfahren Sie, wie Isarsoft Perception dies bei Flotten im öffentlichen Nahverkehr einsetzt.
FAQ
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Wie erkennen Verkehrsbetriebe freie Sitzplätze in Echtzeit?
Durch den Einsatz von KI-basierter Videoanalyse auf den bereits vorhandenen Kameras im Fahrzeug, die darauf trainiert sind, belegte von freien Sitzplätzen in jedem Wagen zu unterscheiden. Die daraus gewonnenen Daten werden aggregiert und können ohne zusätzliche Hardware an Fahrgastinformationsanzeigen, Apps oder Betriebs-Dashboards übermittelt werden.
Können vorhandene Bus- oder Zugkameras zur Belegungserkennung genutzt werden?
Ja. Da die Analyse softwarebasiert auf dem Videostream erfolgt, können die meisten bereits vorhandenen Sicherheitskameras an Bord als Datenquelle genutzt werden – eine flottenweite Nachrüstung mit speziellen Belegungssensoren entfällt.
Was ist ein Mehrzweckbereich in einem Zug, und wie wird er überwacht?
Ein Mehrzweckbereich ist eine flexibel nutzbare Zone im Fahrzeug, die von Fahrrädern, Kinderwagen und Rollstuhlfahrern gemeinsam genutzt wird. Er wird durch Videoanalyse überwacht, die nicht nur die Belegung zählt, sondern auch die Art des vorhandenen Objekts klassifiziert, da ein Fahrrad, ein Kinderwagen und ein Rollstuhl jeweils unterschiedliche Auswirkungen auf verfügbaren Platz und Barrierefreiheit haben.
Unterscheidet sich die Auslastung von der automatischen Fahrgastzählung (AFZ)?
Ja. Die klassische Fahrgastzählung (AFZ) erfasst ein- und aussteigende Personen an den Türen und liefert damit eine Gesamtzahl pro Fahrzeug. Die Belegungsüberwachung auf Sitzplatz- und Zonenebene geht weiter und ermittelt die Verfügbarkeit innerhalb bestimmter Sitzplätze oder Bereiche des Fahrzeugs.
Ist Auslastungsanalyse dasselbe wie die Vermeidung von Überfüllung?
Verwandt, aber nicht dasselbe. Bei der Vermeidung von Überfüllung geht es darum, die Dichte in einem Bereich – einem Bahnsteig oder Fahrzeug – innerhalb sicherer Grenzen zu halten. Bei der Sitzplatz- und Mehrzweckbereich-Belegung geht es darum, Fahrgästen und Betreibern eine detaillierte Sichtbarkeit darüber zu geben, wo Kapazität vorhanden ist, sobald sie sich bereits im Fahrzeug befinden oder einsteigen.



